Geh-Café: Margareten, wie sie will!
Im Scheupark in Margareten startete das erste Geh-Café des Jahres am 24. März 2026. Der Park zählt zu den inklusiven barrierefreien Erholungsräumen im Grätzl: Hier gibt es Spielgeräte, die auch motorisch eingeschränkte Menschen oder Rollstuhlfahrer:innen nutzen können.
Unter dem Motto „Margareten, wie sie will!“ hörten wir spannende historische Erzählungen von Petra Permesser (Referentin des. 5. Bezirks) über weibliche Persönlichkeiten aus Margareten und aktuelle Stadtplanungsthemen von Bezirksvorsteher Michael Luxenberger.
Wir starteten mit der Aktivistin, Autorin und Kolumnistin Helga Pankratz (1959-2014), die 1981 eine lesbische Gruppe innerhalb der HOSI (Homosexuelle Initiative) gründete, die sich immer noch jeden Mittwoch trifft.
Weiter ging es mit Ines Rieder (1954-2015), die 2005 die erste große Ausstellung zu Homosexualität kuratierte. Sie selbst schrieb Bücher über Frauen und über AIDS, was zu damaliger Zeit ein noch sehr unbekanntes Thema war. Wir bewegten uns weiter entlang des Bacherparks Richtung Österreichs erstem queeren Kulturzentrum, dem QWIEN. Hier wurden Dokumente, Fotos und Geschichten zur queeren Geschichte Wiens gesammelt. Aktuell findet die Ausstellung United by Queerness statt.
In der Wohnstraße am Bacherplatz erfuhren die Teilnehmer:innen des Geh-Cafés von den Umgestaltungen des Fahrbahnteilers in der Ramperstorffergasse vor der Mittelschule. Da es hier im Sommer sehr heiß werden kann, sollen in Zukunft Bäume für angenehmeren Aufenthalt sorgen.
Weiter ging es zum Zentaplatz, der sich in den nächsten Jahren stark verändern soll. Bürger:innen werden befragt, was sie sich statt den Betonflächen und der Nebenfahrbahn für verbesserten Aufenthalt und mehr Erholung wünschen. Der Nachbarschaftsverein ZentaGarden hat sich hier gegründet, um eine lebenswerte Nachbarschaft zu schaffen, eine Petition gestartet, sowie Tröge und Pflanzen aufgestellt. Einmal im Jahr findet das ZentaPlatzFestl statt und es gibt noch viele Ideen, um diesen Platz aufzuwerten.
Im Rudolf-Sallinger-Park erhielten wir Infos zum neuen Zwei-Richtungs-Radweg in der Stolberggasse. Wir nutzten den Halt auch gleichzeitig, um über die Widerstandskämpferin Maria Restituta (1894-1943) zu hören. Sie war eine österreichische Ordens- und Krankenschwester, die sich für Glauben und Gerechtigkeit einsetzte. Im angrenzenden Franziskus Spital gibt es eine Dauerausstellung über sie und ihren Kampf gegen die Gewalttaten der Nationalsozialisten. Sie ist die erste Märtyrerin, die selig gesprochen wurde.
Unser Spaziergang endete mit einer spannenden Persönlichkeit im Schütte-Lihotzky-Park. Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) ist in Margareten aufgewachsen und war in den 1920er Jahren die erste Frau, die in Wien Architektur studierte. Heuer feiern wir das 100-jährige Bestehen der sogenannten „Frankfurter Küche“, mit der sie weltweit Aufmerksamkeit erreichte. Jedoch wollte sie ihr Leben lang nicht darauf reduziert werden, denn ihr weiteres Schaffen und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der ihr auch 15 Jahre Zuchthaus einbrachte, aus dem sie Ende des Krieges freikam, bleiben in Erinnerung. Ihr soziales Engagement und zahlreiche Schul- und Kindergartenbauten sowie Gemeindebauten erinnern heute noch an sie. In ihre Wohnung in der Franzensgasse zog sie Ende der 1960er Jahre und blieb dort über 30 Jahre lang. Heute befindet sich hier das Schütte-Lihotzky-Zentrum, das jeden Dienstag von 10:00 bis 14:00 Uhr und jeden Freitag von 14:00 bis 18:00 Uhr besucht werden kann. Das dortige Forschungszentrum „Architektur Pionierinnen“ hat sich zur Aufgabe gemacht über 200 Biografien von österreichischen Architektinnen zu suchen und sichtbar zu machen.
Im Schütte-Lihotzky-Park endete auch der Spaziergang bei Brötchen, Getränken, Kaffee und Süßem für die rund 100 Teilnehmer:innen des Geh-Cafés.