Geh-Café: ESC-Spezial in Rudolfsheim-Fünfhaus

Das dritte Geh-Café des Jahres stand im Mai 2026 ganz im Zeichen des Eurovision Song Contests und dem Gastgeber-Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus. Bei frühsommerlichem Wetter startete der Spaziergang am Burjanplatz, gleich hinter der Wiener Stadthalle. Geführt wurde das Geh-Café von Dietmar Baurecht, Bezirksvorsteher des 15. Bezirks, und Schorsch Brockmeyer, Leiter der Kommunikation der Mobilitätsagentur Wien.

Mehr Raum zum Verweilen: Das Wohnstraßen-Grätzl rund um den Burjanplatz

Rund um den Burjanplatz befindet sich das „Erste Wiener Wohnstraßen-Grätzl“. Die Umgestaltung wurde 2020 von der Stadtinitiative space and place angeregt. Ziel war es, im Nibelungenviertel mehr Aufenthaltsmöglichkeiten für Anrainer:innen und Passant:innen zu schaffen. Dafür wurden Einbahnen umgedreht und sieben Straßenabschnitte zu Wohnstraßen umgewidmet.

Von diesem Beispiel für neue Stadträume führt der Spaziergang weiter zu einem Ort, der weit über den Bezirk hinaus bekannt ist: die Wiener Stadthalle.

Musik, Geschichte und große Auftritte: Der Eurovision Song Contest

Der erste Eurovision Song Contest fand 1956 im Schweizer Ort Lugano statt. In Wien wurde der Wettbewerb erstmals 1967 ausgetragen, nachdem Udo Jürgens im Jahr davor mit „Merci, Chérie“ gewonnen hatte. Weitere österreichische Siege folgten 2014 durch Conchita Wurst mit „Rise Like a Phoenix“ und 2025 durch JJ mit „Wasted Love“. Nur ein einziges Mal musste der Song Contest abgesagt werden: während der Corona-Pandemie im Jahr 2020.

Teilnehmen dürfen alle Länder, deren Rundfunkanstalten Mitglied der EBU, der Europäischen Rundfunkunion, sind. Deshalb sind auch Länder vertreten, die geografisch nicht oder nur teilweise zu Europa gehören. Die erfolgreichsten Teilnehmerländer sind Schweden und Irland mit jeweils sieben Siegen. Dublin war mit sechs Austragungen bisher die Stadt, in der der Song Contest am häufigsten stattfand. Besonders schwer hatte es hingegen San Marino, das über die Jahre hinweg immer wieder auf den hinteren Plätzen landete.

Die Wiener Stadthalle als Bühne für große Ereignisse

Die in den 1950er-Jahren erbaute Wiener Stadthalle bietet Platz für rund 16.000 Besucher:innen. Sie ist einer der wichtigsten Veranstaltungsorte Wiens und kann für unterschiedlichste Formate genutzt werden — vom Eurovision Song Contest über Konzerte bis hin zu Sportveranstaltungen und großen Shows.

Nach diesem Blick auf internationale Veranstaltungen rückt der Spaziergang wieder näher an den Alltag im Bezirk heran: zu Projekten, die zeigen, wie Begrünung, Nachbarschaft und Klimaschutz zusammenspielen können.

Pflanzen retten statt wegwerfen: Der Friedensreich-Hundertwasser-Park

Was passiert eigentlich mit Pflanzen, die aus einem Wechselbeet entfernt werden? Diese Frage stellten sich Bewohner:innen des 15. Bezirks und reichten beim Wiener Klimateam die Idee einer „Pflanzenrettung“ ein. So bekamen Sträucher und Pflanzen aus den Beeten im Friedensreich-Hundertwasser-Park neue Besitzer:innen. Heute wachsen sie in Gärten oder in betreuten Baumscheiben weiter.

Auch an anderen Stellen im Bezirk zeigt sich, wie wichtig Begrünung und sichere Straßenräume geworden sind.

Sicherer und grüner unterwegs

Die Camillo-Sitte-Gasse verläuft zwischen der Gablenzgasse und der Guntherstraße. Früher kam es hier immer wieder zu Unfällen. Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, wurde die Straße umgestaltet. Heute trennen großzügige Baumscheiben und Grünbeete die Fahrbahn vom Gehsteig. Begrünung ist im dicht bebauten 15. Bezirk generell ein zentrales Thema. Ebenso wichtig sind Trinkbrunnen und erfrischende Wasserspiele, die an heißen Tagen für Abkühlung sorgen.

Fahrradfahren lernen auf der Guntherstraße

Im westlichen Abschnitt der Guntherstraße zieht eine riesige blaue Krake die Blicke auf sich. Die Straßenbemalung stammt von der Wiener Künstlerin Sylvia Kostenzer. Dort, wo früher Autos geparkt haben, können heute Kinder der 3. und 4. Volksschulklassen das Fahrradfahren üben. Auf dem Radübungsplatz bietet die Mobilitätsagentur kostenlose Trainings an. Von der kindgerechten Mobilität geht es weiter zu einer größeren Freifläche, die ebenfalls neu gestaltet wurde.

Mehr Grün und Erholung auf der Schmelz

Auf der Schmelz wurde eine Fläche von 2.300 Quadratmetern in einen Park umgewandelt, davon wurden 950 Quadratmeter entsiegelt. Bäume, Pergolen und Sträucher sorgen nun für mehr Erholung und ein angenehmeres Mikroklima. Der Park bietet außerdem Spiel- und Sportgeräte, schattige Plätze sowie Trinkbrunnen.

Neue Wege und mehr Schatten an der Hütteldorfer Straße

Auch entlang der Hütteldorfer Straße wurde der öffentliche Raum verändert. Ein neuer Radweg verbindet die Innenstadt mit dem 14. Bezirk. Gleichzeitig wurde die Begrünung ausgeweitet: Mehrere Baumscheiben wurden zu größeren Grünflächen zusammengelegt. So entsteht eine Allee, die für mehr Schatten und kühlere Aufenthaltsorte im Bezirk sorgt. Zum Abschluss führte das Geh-Café an einen Ort, der für viele Bewohner:innen ein wichtiger Treffpunkt ist.

Austausch im Grünen

Der Reithofferpark ist ein wichtiger Treffpunkt für die Bewohner:innen des Bezirks. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Spielgeräte erneuert und verbessert. Hier konnten sich die Teilnehmer:innen des Geh-Cafés auch bei Snacks und Getränken stärken. Die bunte Nachspeise kam diesmal vom Schokomichi, dessen Fabrik bereits seit 1880 im 15. Bezirk produziert.

Karte Geh-Café Rudolfsheim-Fünfhaus