Geh-Café: Versteckte Juwelen auf der Wieden
Beim letzten Geh-Café vor der Sommerpause mit Start im Alois-Drasche-Park betonte Bezirksvorsteherin Lea Halbwidl die Wichtigkeit der klimafreundlichen Gestaltung von öffentlichen Plätzen. Der Bezirk hat dazu einstimmig eine Klimastrategie beschlossen. Bei jeder Straßensanierung wird geprüft, ob Begrünung und andere Maßnahmen gegen Hitze möglich sind, und die Projekte sollen mit Bürger:innenbeteiligung umgesetzt werden. Bereits realisiert wurden rund 250 neue Bäume und Hochstammsträucher sowie ein flächendeckendes Netz an Sitzbänken im Abstand von etwa 250 Metern.
Philipp Maurer vom Bezirksmuseum informierte die Spazierfreudigen über spannende historische Details. So entstand der Alois-Drasche-Park im 4. Bezirk im Zuge der Verbauung des ehemaligen „Blecherne-Turm-Feldes“ um 1900. Die umliegenden Wohnhäuser wurden als Miethäuser für das wohlhabende Bürgertum errichtet. Sie zeigen überwiegend späthistoristische, teilweise auch sezessionistische Fassaden. Im Park befindet sich zudem eine als Naturdenkmal geschützte Rotbuche. Im Kindergartenbereich steht die Ziegelskulptur eines Pinguins des bekannten Bildhauers Alois Heidel.
Auf den Spuren von Johann Strauß
Im Innenhof der Johann-Strauß-Gasse 4 erinnert eine Statue von Maximilian Melcher an Johann Strauß, der hier lebte, arbeitete und starb. Zu seinem ökonomischen Erfolg trug unter anderem seine erste Frau Henriette Treffz bei: Sie überzeugte ihn, Operetten zu komponieren, die ihm durch Tantiemen ein dauerhaftes Einkommen sicherten.
Die geplanten Umgestaltungen im Rubenspark
Im 4. Bezirk gibt es aktuell zwei große Umgestaltungsprojekte. Zum einen die Umgestaltung der Mühlgasse in eine Begegnungszone zwischen Preßgasse und Schikanedergasse. Weiters die Umgestaltungen im Rubenspark mit breiter Beteiligung der Bevölkerung. Mit der Erweiterung des Parks in Richtung Klagbaumgasse und Rubensgasse wird die Anlage deutlich aufgewertet und vergrößert. Neben einer Neuordnung der bestehenden Infrastruktur entstehen ein Spielbereich für Kleinkinder und eine Boccia-Bahn. 25 neue Bäume werden gepflanzt.
Die Klagbaumgasse blickt auf eine lange Geschichte zurück: Im Mittelalter befand sich hier ein Siechenhaus, also eine außerhalb der Stadt gelegene Isoliereinrichtung für schwer kranke und ansteckende Menschen. Der Überlieferung nach stand hier auch eine Linde, aus der geheimnisvolle Klage- und Jammerlaute zu hören gewesen sein sollen. Dieser „Klagebaum“ soll der Gasse ihren Namen gegeben haben.
Fresko mit Geschichte der Wieden
An der Fassade des Hauses Große Neugasse 27 erinnert ein Fresko an ein prägendes Ereignis der Wiedner Geschichte: die letzte große Pestepidemie von 1713. Dargestellt ist Kaiser Karl VI., der während der Seuche das Gelübde ablegte, eine Kirche zu Ehren des Pestheiligen Karl Borromäus zu errichten. Aus diesem Versprechen entstand die Karlskirche.
Der Name „Wieden“ geht auf das mittelalterliche Wort „Widum“ zurück. Damit bezeichnete man ein Kirchengut, das dem ersten Pfarrer gehörte. Die Formulierung „auf der Wieden“ hat sich historisch gehalten.
Die alten Wassermühlen
Durch den Mühlbach im Wiental, einen früheren Seitenarm des Wienflusses, entstanden bereits im Mittelalter mehrere Wassermühlen auf der Wieden. Die Heumühle ist seit dem 14. Jahrhundert belegt und zählt zu den ältesten Anlagen dieser Art. Auch die Schleifmühle und die Bärenmühle gehörten dazu und prägten das Gebiet bis ins 19. Jahrhundert. Heute erinnern viele Straßennamen wie Heumühlgasse oder Schleifmühlgasse noch an diese Geschichte. Interessant ist, dass die technische Ausstattung der Heumühle später ausgebaut und an anderer Stelle wiederverwendet wurde. Das Gebäude selbst steht aktuell sogar auf einer Online-Plattform zum Verkauf.
Das Planquadrat – Beteiligung seit 50 Jahren
Der Planquadratgarten war ursprünglich ein stark zergliederter Block aus 34 voneinander getrennten Innenhöfen, die durch Mauern, Zäune und teils sogar Stacheldraht abgegrenzt waren. In den 1970er-Jahren drohte zusätzlich der Abriss von Häusern zugunsten einer Durchfahrtsstraße. Genau dagegen entwickelte sich eine starke Bürger:inneninitiative, unterstützt durch eine ORF-Dokumentation, die das Projekt sogar mit einer Reihe im Hauptabendprogramm begleitete. Aus dem Engagement der Bewohner:innen entstand schließlich der Gartenhofverein, der 1977 einen Vertrag mit der Stadt Wien abschloss: Die Gemeinde gestaltete die Höfe als Erholungsraum, während der Verein Pflege und Betreuung übernahm. Das Planquadrat soll auch in Zukunft ein lebendiger Treffpunkt im Grätzl bleiben, an dem Menschen aller Generationen zusammenkommen, Zeit miteinander verbringen und den Garten gemeinsam gestalten. Damit dieses besondere Projekt weiterwachsen kann, braucht es dauerhaftes Engagement. Die grüne Oase im dichtbebauten Stadtgebiet war der perfekte Ort für den gemütlichen Ausklang bei Jause und Kuchen.
Das nächste Geh-Café nach der Sommerpause findet am 17. September 2026 um 17:00 Uhr in Hietzing nach dem Motto: „Rund um die Altgasse“ statt.