„Low Traffic Grätzl“ für mehr Verkehrsberuhigung in Wien
Nach Modell der „Low Traffic Neighbourhoods“ in London kommen verkehrsberuhigte Wohngebiete in den Bezirken. Den Auftakt macht Meidling.
Die Stadt Wien will Wohngebiete ruhiger und sicherer machen. Dafür entstehen in den nächsten Jahren neue sogenannte „Low Traffic Grätzl“. Das erste Projekt startet heuer in Meidling. Vorbild dafür sind die „Low Traffic Neighbourhoods“ in London. Dort gibt es schon seit vielen Jahren Wohngebiete mit weniger Autoverkehr.
Wie funktioniert ein „Low Traffic Grätzl“?
In diesen Grätzln soll es weniger Durchzugsverkehr geben. Dafür werden Einbahnen geändert oder Pflanztröge an Kreuzungen aufgestellt. So werden Autos wieder auf die Hauptstraßen geleitet. Wichtig ist: Anrainer:innen, Lieferdienste und Einsatzfahrzeuge können weiterhin zufahren. Radfahren wird überall möglich sein. Teilweise entstehen auch autofreie Bereiche oder Fußgänger:innenzonen. Der neugewonnene Platz im Straßenraum wird anderweitig genutzt. So entstehen neue Aufenthaltsbereiche. Hier wird mit schnell und einfach umzusetzenden Maßnahmen gearbeitet: Bodenbemalungen, mobile Bäume in Trögen und Sitzbänke verschönern die Wohngebiete. Dieser Planungsansatz nennt sich ‚Tactical Urbanism‘ – dabei werden Veränderungen im öffentlichen Raum rasch und kostengünstig umgesetzt.

Wolfganggasse – (c)ZOOMVP_StadtWienMarketing
Erstes Projekt in Meidling – Auch Schulstandorte werden attraktiver
Das erste „Low Traffic Grätzl“ entsteht rund um die Wolfganggasse in Meidling. Das Gebiet liegt zwischen Längenfeldgasse, Steinbauergasse, Siebertgasse und Arndtstraße. Umgesetzt werden die Maßnahmen in Meidling ab Herbst bis Jahresende 2026.
Geplant sind:
- eine Fußgänger:innenzone in einem Teil der Wolfganggasse
- neue Einbahnregelungen
- farbige Bodenmarkierungen
- mobile Sitzmöbel und Begrünungselemente
- Auch alte Beton-Mistkübel von der Donauinsel werden als sogenannte „Diagonalfilter“ wiederverwendet und bepflanzt. Sie helfen dabei, den Verkehr gezielt lenken.
Die Stadt erwartet dadurch:
- weniger Lärm
- bessere Luft
- mehr Sicherheit
- mehr Platz zum Spazieren und Treffen

(c) Stadt Wien/message
Hier sind die nächsten „Low Traffic Grätzl“ geplant:
- Mariahilf nördlich der Gumpendorfer Straße
- Alsergrund im Bereich des neuen Med-Uni-Campus, Mariannengasse
- Rudolfsheim-Fünfhaus beim Schwendermarkt
Die Prinzipien des Low Traffic Grätzl
Vorbild für die Low Traffic Grätzl sind die Low Traffic Neighbourhoods in London. Seitdem Jahr 2020 wurden in London in mehreren Boroughs (Bezirken) über 200 verkehrsberuhigte Quartiere umgesetzt, häufig mit temporären Maßnahmen. Anders als die Superblocks aus Barcelona, das Vorbild für das Supergrätzl in Favoriten war, arbeiten sowohl die Londoner Low Traffic Neighbourhoods wie auch die Low Traffic Grätzl in Wien mit kleinräumigen, kostengünstigen und schnell umzusetzenden Maßnahmen. Low Traffic Neigbourhoods sind flexibel organisiert: die Gebiete können unterschiedlich groß, temporär oder dauerhaft sein sowie bei Bedarf längerfristig verändert werden. In Low Traffic Neighbourhoods wird der Autoverkehr reduziert. Wer trotzdem ein Auto braucht, kann nach wie vor zufahren. Gleichzeitig bewegen sich mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, die Luftqualität verbessert sich spürbar und die Verkehrssicherheit insbesondere für Kindern wird erhöht.

Fockygasse – (c)ZOOMVP_StadtWienMarketing
Low Traffic Grätzl im Überblick
- Projekt nach Vorbild der „Low Traffic Neigbourhoods“ in London
- Pilotprojekt in Meidling / Wolfganggasse
- Maßnahmen aus dem „Low Traffic Grätzl“-Baukasten:
- Modal- und Diagonalfilter für geänderte Verkehrsführung
- Fußgängerzonen
- Poller und Pflanztröge
- Sitzmöbel und Tische
- Trinkbrunnen
- Fahrradabstellanlagen
- Vorteile des „Low Traffic Grätzl“:
- Keine baulichen Maßnahmen
- Schnell und kostengünstig
- Attraktivierung und Verkehrsberuhigung