Wenn die U-Bahn streikt: ein Reisebericht aus London

Um Neues kennen zu lernen und über den Tellerrand zu blicken, muss man reisen. Als Planungs- und Beratungsbüro haben wir uns dieses Mal London als Ziel unserer Fachexkursion vorgenommen, die Stadt mit der ältesten U-Bahn der Welt, deren MitarbeiterInnen kurz nach unserer Ankunft streiken. Nach zwei Tagen Freizeit und Sightseeing sind wir recht müde vom Zu-Fuß-Gehen, werden aber im Laufe der Zeit immer fitter!

Um Neues kennen zu lernen und über den Tellerrand zu blicken, muss man reisen. Als Planungs- und Beratungsbüro haben wir uns dieses Mal London als Ziel unserer Fachexkursion vorgenommen, die Stadt mit der ältesten U-Bahn der Welt, deren MitarbeiterInnen kurz nach unserer Ankunft streiken. Nach zwei Tagen Freizeit und Sightseeing sind wir recht müde vom Zu-Fuß-Gehen, werden aber im Laufe der Zeit immer fitter!

 

Wir besuchen Transport for London. TfL ist zuständig für alle Verkehrsangelegenheiten in London – also Busse und U-Bahn, Fußverkehr, Radverkehr und Kfz-Verkehr. Wir staunen also nicht schlecht, als wir das Gebäude der städtischen Verkehrsplaner betreten. Die Garage für MitarbeiterInnen des TfL verfügt über nur zwei (!) Pkw-Stellplätze, der Rest ist Fahrrädern, Duschen und Garderoben vorbehalten. Kein Wunder, das Bürohaus liegt direkt an der U-Bahn-Station Southwark und ist daher optimal erreichbar. Überhaupt merken wir, dass London nicht nur für die U-Bahn und die roten Doppeldeckerbusse berühmt ist. Nein! London ist in Wahrheit eine Stadt für FußgängerInnen – und das nicht nur, weil die U-Bahn streikt. Die Stadt ist ein großer öffentlicher Raum, auch bei regnerischem Wetter treffen die Menschen auf der Straße aufeinander, dicht gedrängt vorbei an Geschäftsauslagen und Bushaltestellen, dazwischen die immer mehr werdenden RadfahrerInnen.

London 2_Foto Andrea Weninger

Wir besuchen auch Jack Skillen und Tom Patt von Living Streets, einer 1929 gegründeten Organisation, die sich vor allem für Zu-Fuß-Gehende und die Gestaltung des öffentlichen Raumes stark macht. Hannah Gibbs führt uns zu Fuß durch Londons Straßen. Wir erfahren, dass in der Innenstadt der Pkw-Wege-Anteil nur 4 % beträgt, die restlichen Kraftfahrzeuge, die wir auf den Straßen sehen, sind Busse, Taxis und Lieferfahrzeuge, die von der City Maut befreit sind. Wir fahren weiter zu Elephant & Castle, eine der größten Kreuzungen Londons, die demnächst zu einer grünen Halbinsel mit deutlichen Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr umgestaltet werden soll.

Hannah führt uns im Anschluss zur Walworth Road, einer Einkaufsstraße mit über 20.000 FußgängerInnen und 20.000 Kfz pro Tag, mit 250 Unfällen innerhalb der letzten drei Jahre vor der Neugestaltung. Die Planer und der Bezirk entfernten – nach langen Diskussionen mit TfL – alle Busfahrstreifen und ersetzten diese durch Busschleusen, pflanzten Bäume, verbreiterten die Gehsteige um das Doppelte und verbannten Gehsteig-Absperrungen und Zäune. Die breiteren Gehsteige werden heute für den Lieferverkehr zu bestimmten Uhrzeiten verwendet – FußgängerInnen haben nun also ausreichend Platz, die Geschäftsleute äußern sich sehr positiv über die Umgestaltung. Die zehn Buslinien mit ingesamt 180 Bussen pro Stunde (!) fahren weiterhin durch die Walworth Road – schneller und mit deutlich weniger Verspätung als früher!

London 6_Foto Andrea Weninger

London ist also jedenfalls einen Besuch wert, um innovative und spannende Projekte kennenzulernen.

 

 

 

 

 

Ein Reisebericht von Andrea Weninger, Rosinak & Partner ZT GmbH

Über die Autorin:
Dipl.-Ing. in Andrea Weninger, Verkehrsplanerin und Gesellschafterin bei Rosinak & Partner, ist spezialisiert auf Verkehrskonzepte, Machbarkeitsstudien, Evaluierungen, Analysen in der Verkehrs- und Umweltpolitik. Sie unterrichtet außerdem am FH Campus Wien und an der FH St. Pölten.

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