Auf die Frage „Wie geht es?“, kann die Antwort meistens „Zu Fuß gut!“ lauten. Beim Gehen erfährt man vieles über den eigenen Körper. Für die Arbeit als Bewegungscoach ist die Bewegungsart Zu-Fuß-Gehen deshalb elementar wichtig.

Meinen Zugang zum bewussten Gehen habe ich, wie so vieles, durch das Skifahren gefunden. Wie die meisten Menschen kann ich mich nicht mehr erinnern wie, wo und wann ich die die ersten Schritte getan habe. Da ich in einer Ski-Umgebung aufgewachsen bin, fehlt mir auch die bewusste Erinnerung ans Skifahren lernen. Durch den Rennlauf, setzte ich mich später natürlich mit allen Details der Bewegung auf Skiern sehr intensiv auseinander.

Nicola Werdenigg_Foto Sebastian Philipp (4)

Mein Weg führte mich von den Rennstrecken in einen Beruf, bei dem ich bis heute viele Menschen bei ihren ersten Schritten im Schnee bis hin zu Fachleuten, die eine Neuorientierung beim Skifahren suchten, begleiten durfte. Mein Ansatz als Skipädagogin war für mich immer klar: Skifahren ist einfach – das hatte ich schließlich schon als kleines Kind entdeckt.

Um den Ski-Lernenden die Klarheit für die Bewegung am Ski zu vermitteln, stieß ich schon früh auf das Gehen als Brücke für elementare Bewegungsvorgänge. Bestätigt und inspiriert, fürs Gehen als Basis fürs Fahren, hat mich ein alter Freund: Prof. Hans Zehetmayr. Er fiel im Berufsskilehrwesen in Ungnade, als er ein Lehrkonzept vorstellte, das sich kindliches Bewegungslernen zum Vorbild nahm und logischerweise ohne den üblichen methodischen Schnickschnack viel schneller und effektiver ans Ziel führte.

Eine andere wichtige Inspiration sich mit dem Gehen bewusst auseinanderzusetzen, erhielt ich durch die Feldenkrais-Methode. Seit rund dreißig Jahren lerne ich mit Begeisterung und mehr und mehr zu verstehen, was Moshe Feldenkrais meinte als er treffend formulierte: „Nur wenn wir wissen was wir tun, können wir tun was wir wollen.“

Damit möchte ich den Kreis schließen und auf meine Betrachtung der Bewegung Zu-Fuß-Gehen etwas näher eingehen. In einer Zeit, in der Gehen nicht mehr so selbstverständlich als Fortbewegungsmittel der ersten Wahl gilt, kann es Menschen sehr gut tun, sich mit den elementaren ersten Schritten, die jedem Kleinkind so viel bedeuten, bewusst auseinanderzusetzen.

Die Bewegung „zu Fuß“ impliziert ein sinnliches und taktiles Erleben des Raumes: Wer geht, erfährt Raum am eigenen Körper. Gleichzeitig erfährt man im Gehen auch wesentliches über den eigenen Körper durch den Raum und wie man sich am besten den Unterschieden der Umgebung anpasst.

Es versteht sich von selbst, dass die Sinne beim Barfuß gehen am direktesten angesprochen werden. Gleichzeitig kann der Fuß ohne stützendes, einengendes Schuhwerk seine ursprüngliche Funktion wieder richtig aufnehmen. Die Fuß-Muskulatur, die bei fast jedem menschlichen Bewegungsvorgang eine „tragende“ Rolle spielt regeneriert und kräftigt sich barfuß automatisch.

Dieser Zustand ist für jede runde, harmonische Bewegung unabdingbar und besonders für Menschen die einem aktiven Älterwerden entgegenblicken wollen, ein wesentlicher und zugleich sehr einfach zugänglicher Körperaspekt. Doch auch wer seinen Alltag nicht in einer barfuß-tauglichen Umgebung verbringt, kann sich durch Gehen viel Gutes tun.

Für mich persönlich ist Gehen sehr wichtig und deshalb auch zum Standbein meiner Bewegungspädagogik in schneelosen Zeiten und Umgebungen geworden. Wie beim Skifahren begleite ich dabei Menschen und helfe ihnen ganz persönliche Erfahrungsgelegenheiten zu kreieren. Die Frage: „Wie geht es?“ hat eine ganz besondere Bedeutung erhalten und mir selbst geht es zu Fuß meistens sehr gut!

NicolaWerdenigg-Spieß
Geh-Coach, Bewegungstrainerin, Ex-Schirennläuferin
www.kunstpiste.com

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