Duftende Blumen, würziger Käse und frisches Obst. Beim Geh-Café rund um den Ottakringer Brunnenmarkt gab es für die Besucherinnen und Besucher nicht nur viel zu sehen, sondern auch zu riechen. Auch die an den Markt angrenzende, neugestaltete Thaliastraße ist einen Besuch wert.

Etwa 120 Gäste spazierten gemeinsam mit der Fußverkehrsbeauftragten Petra Jens, Ottakringer Bezirksrat Andreas Mrkvicka und Alexander Hengl vom Wiener Marktamt durch das spannende Grätzl rund um den Brunnenmarkt. Dabei gab es interessante historische Fakten, Einblicke in die Lebensmittelkontrolle und natürlich Infos zur Umgestaltung der Thaliastraße zum “Klimaboulevard”.

Erst ein Brunnen, dann ein Markt

(c) Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner

Mit dem Brunnenmarkt befindet sich in Wien der längste Wochenmarkt Europas. Und auf seinen 948 Metern tummelt sich täglich eine Vielfalt an Geschmäckern, Kulturen und Menschen. Höchste Zeit, diesen spannenden Ort in Wien einmal zu besuchen.

Der Brunnenmarkt ist nicht nur lang sondern auch alt. Er entstand im Jahr 1786 rund um einen Brunnen. In der damaligen Zeit war die Bewilligung des Brunnens durch den Kasier durchaus eine Besonderheit. Alexander Hengl vom Wiener Marktamt erzählt, woher der Name “Brunnenmarkt” kommt:

 

Der Brunnen musste im Jahr 1880 der Pferdestraßenbahn weichen. Der Markt ist – bis zum 2. Weltkrieg – geblieben. Im Krieg wurde er stark zerbombt und nahezu zerstört. Nach Kriegsende aber aufgebaut und im Jahr 1948 wieder eröffnet.

(c) Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner

Heute sieht der Markt anders aus als damals – die viereckigen, bunten und einheitlich gestalteten Stände stehen erst seit 2010 am Brunnenmarkt. Denn zwischen 2005 und 2010 wurde der Markt umgebaut. Der Umgestaltung ging ein Bürger:innen-Beteiligungsprozess voraus.

In dieser Zeit ist der Markt auch mit dem Yppenmarkt verschmolzen. Denn noch vor 15 Jahren waren der Brunnenmarkt und der Yppenmarkt zwei Märkte.

Sichere Lebensmittel – auch in der Pandemie

Damit die Waren auf dem meistbesuchten Markt der Stadt auch in Ordnung sind, kontrolliert das Wiener Marktamt regelmäßig. Nicht nur am Brunnenmarkt. Insgesamt führt das Marktamt etwa 25.000 Lebensmittelkontrollen in den Wiener Lebensmittelbetrieben durch und sorgt so für Lebensmittelsicherheit. Bei Kontrollen kommt eine:r der etwa 200 Kontrolleur:innen unangekündigt vorbei, die Hygiene wird untersucht und Lebensmittelproben werden genommen. Wenn Probleme auftauchen, muss der Betrieb diese beheben und wird auch wenn nötig – vorübergehend – zugesperrt.

Der Brunnenmarkt, wie alle 22 Wiener Märkte, hatte auch während der Corona bedingten Pandemie für die Einkaufenden geöffnet. Es galt Maskenpflicht und es wurde gezielt auf das Einhalten des Abstands zueinander geachtet. Am Brunnenmarkt galt während der Pandemie deshalb eine Einbahnregelung für die Besucherinnen und Besucher. “Eine Herausforderung, die gemeistert wurde”, so Alexander Hengl.

Was kann man denn überhaupt auf einem Markt kaufen? So ziemlich alles – aber damit ein Markt auch rechtlich als Markt gilt, müssen 51 Prozent der Waren, also über die Hälfte, Lebensmittel sein. Maximal ein Drittel des Angebots darf Gastronomie sein, der Rest Waren aller Art.

Thaliastraße wird zum Klimaboulevard

(c) Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner

Vom ersten Marktstand des Brunnenmarkts hat man gute Sicht auf Wiens neuen Klimaboulevard: die Thaliastraße.

Wie es zur Umgestaltung kam, erzählt der Ottakringer Bezirksrat Andreas Mrkvicka:

Etwa drei Kilometer führt die Thaliastraße vom Gürtel bis zum Fuße des Wilhelminenbergs quer durch Ottakring. Die Straße war in die Jahre gekommen, eine Renovierung war unumgänglich. Die Notwendigkeit wird genutzt um die Straße “klimafit” und lebenswerter zu gestalten: Mehr Bäume und Pflanzen, Wasserspiele, Sitzmöglichkeiten, breitere Gehsteige.

Der Neugestaltung der Thaliastraße ging ein Beteiligungsprozess voraus, bei der Anrainerinnen und Anrainer, Straßennutzende und Geschäftsleute eingeladen waren, ihre Ideen, Wünsche und Vorstellungen zur Neugestaltung einzubringen. Im Jahr 2021 war es dann soweit. Der Baustart erfolgte. Der Umbau passiert etappenweise. Im Jahr 2021 war der 1. Abschnitt vom Lerchenfeldergürtel – am Brunnenmarkt vorbei – bis zur Feßtgasse dran. Dieser wurde im November 2021 fertig. Aktuell sind die Arbeiten am 2. Abschnitt, von der Feßtgasse bis zur Huttengasse in vollem Gange. Der 3. und letzte Abschnitt folgt im Jahr 2023.

(c) Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner

Mehr Platz, mehr Bäume mehr Sicherheit

Am Hofferplatz, unweit des Brunnenmarkts, bekommt man einen wunderbaren Eindruck der Umgestaltung. Sitzmöbel laden zum Ausrasten ein. Große Bäume bieten Schatten, ein Wasserspiel plätschert. Der Gehsteig bietet bequem Platz für die Besucher:innen des Geh-Cafes, die hier vorbeikommen und stehen bleiben, um zu erfahren, was und wie hier umgestaltet wurde.

Für Autos gilt hier seit der Umgestaltung Tempo 30 – dadurch ist es sicherer und auch der Lärm geringer. Die Trennung von Fahrbahn und Gehbereich bildet ein nur mehr drei Zentimeter hoher Randstein, die Gehsteige selbst wurden bis zum Straßenbahn-Gleis vorgezogen. Dadurch ergibt sich eine Erweiterung der Gehsteigbreite auf etwa sechs Meter. Menschen, die zu Fuß unterwegs sind haben also viel mehr Platz als vorher. Die Gehsteige wurden hell gepflastert.

“100 neue Bäume wurden alleine im ersten Abschnitt, der jetzt schon fertig ist, gepflanzt”, erzählt Andreas Mrkvicka. Die Bäume und Begrünung, aber auch der helle Boden und die Wasserelemente machen die Thaliastraße nicht nur schöner, sondern sind Maßnahmen, die aufgrund des Klimawandels notwendig sind. Denn die immer wärmeren Temperaturen in der Stadt machen “Cooling” notwendig. Das Wasser der Wasserspiele versickert übrigens im Boden und bewässert so auch die Bäumen.

Spielen ist erlaubt!

Die Wasserspiele sind mit Sicherheit ein besonderer Spaß für Kinder, die an warmen Tagen, begeistert in den Wasserelementen herumlaufen und plantschen. Kinder spielen, das ist ganz normal, würde man meinen. Doch in der Straßenverkehrsordnung ist erst seit nicht so langer Zeit das Spielen explizit erlaubt.

Petra Jens, Fußverkehrsbeauftragte erklärt, was es mit dem Spielen auf der Straße auf sich hat:

Der hippste Platz der Welt

(c) Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner

Auch ein spannendes Geh-Café findet irgendwann ein Ende. Getrunken, gegessen und geplaudert wurde am Yppenplatz – dem Endpunkt des Brunnenmarkts. Mit seinen Lokalen und Bars ist er ein beliebter Treffpunkt in der Stadt. Freitags und Samstags findet hier ein Bauernmarkt statt. Laut Alexander Hengl vom Marktamt und z. B. dem britischen TimeOut Magazin ist der Yppenplatz nicht nur einer der “hippsten” Plätze Wiens, sondern sogar weltweit.

Bevor wir zum Ende kommen noch ein letzter historischer Fakt: Der Yppenplatz hat seinen Namen von einem Oberst von Yppen, der an der Stelle des heutigen Markts im 18. Jahrhundert ein Institut für Kriegsinvaliden stiftete.

(c) Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner

 

Geh-Café 2023

Das Geh-Café rund um den Brunnenmarkt war das letzte im Jahr 2022. Im Frühjahr 2023 startet die neue Geh-Café Saison. Sie dürfen sich schon jetzt auf spannende Grätzl und Geschichten freuen. Termine und Infos finden Sie hier: www.wienzufuss.at/geh-cafe

1 Kommentar

Monika Arbesser sagte am 24.10.2022, 16:48:
Ich war das erstemal dabei und es hat mir sehr gut gefallen, deshalb werde ich nächstes Jahr wieder mitgehen. Vielen Dank. Vielleicht können sie mir mitteilen wo ich ein Programmheft bekomme.
Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.